Archiv für September 2009

Neukölln in der Klemme

Die Zeiten, als Neukölln ein heimliches Dasein am Rand der sich rasant entwickelnden Metropole führte, sind vorbei. Die liebenswerte Schrulligkeit des Kiezes – die Kurt Krömer und Uli Hannemann hervor brachte – weicht mehr und mehr einer öden Kultur von Kunstläden, Künstlerkneipen und Quartiersmanagement (QM).

Ein-Euro-Jobber patroullieren durch den Kiez um gefühlte Sicherheit zu verstärken. Männer mit Schlips, Anzug und tollem Auto durchstöbern den Kiez nach Rendite bringenden Immobilien.
Vor den Schulen wachen Sicherheitsdiener.

Die TaskForce Okerstrasse will für Sauberkeit und Ordnung sorgen. Hierzu werden noch Sozialarbeiter gesucht. Gebietsverordnungen sind angedroht.

Das Tempelhofer Feld soll ein Luxuspark mit Ökowohnungen und Innovationstechnologien werden. Der Zaun soll bleiben.

Jenseits de Sonnenallee steigen die Mieten rasant. Die Verdrängung von beispielsweise Hartz4-Empfängern hat längst begonnen.

Diese Entwicklung insgesamt wird Gentrifizierung genannt. Einen hervorragenden Überblick über diese Veränderung in einem Hamburger Kiez gibt der Film Empire St. Pauli.

Es ist zu befürchten, daß wir unseren Kiez in 10 Jahren nicht mehr wiedererkennen werden. Neukölln wird zur größten Baustelle Berlins: Flughafen, Kindl-Brauerei, Autobahnausbau…
Alles wird schick, modern, sauber, teuer, kontrolliert…

Das wollen wir nicht! In diesem Sinne: Organisiert Euch! Leistet Widerstand!
Wir sind wertvoller als Geld, und unsere Träume sind besser als jede Zukunft des Kapitals.